Keine Angst vor den Genen: Wie starke Muskeln erblichen Schwachstellen den Wind aus den Segeln nehmen
Wenn wir uns für einen Hund entscheiden, verlieben wir uns oft in ganz bestimmte Rassemerkmale: die treuen
Augen des Labradors, den charmanten Dackelblick oder die Eleganz eines Schäferhundes.
Was wir dabei im
ersten Moment gern ausblenden: Viele Rassen bringen von Natur aus kleine, genetische „Schwachstellen“ in ihrem
Knochen- und Gelenkbau mit.
Vielleicht hast auch du beim Tierarzt schon mal Sätze gehört wie:
„Behalten Sie die Hüfte im Auge“ oder „Passen Sie auf den Rücken auf.“ Das verunsichert – muss es
aber nicht.
Denn auch wenn wir die Gene unserer Vierbeiner nicht umschreiben können: Wir können
dafür sorgen, dass der Körper drumherum stark genug ist, um diese Schwachstellen zuverlässig
abzusichern.
Gezieltes Fitnesstraining kann angeborene Defizite zwar nicht wegzaubern. Aber
starke Muskeln wirken wie ein körpereigener Sicherheitsgurt: Sie stabilisieren lose Gelenke, fangen harte
Stöße ab und können den Beginn von Schmerzen oder Arthrose um viele Jahre hinauszögern.
Hier sind ein paar typische
Baustellen und wie gezielter Muskelaufbau deinem Hund hilft, lange schmerzfrei und voller Lebensfreude zu
bleiben:
1. Die wackelige Hüfte (Hüftgelenksdysplasie /
HD)
Typisch für: Labrador, Golden
Retriever, Deutscher Schäferhund, Rottweiler, Berner Sennenhund, Boxer

Was da los
ist:
Bei einer HD sitzt der Oberschenkelkopf nicht fest in der Hüftpfanne, sondern hat zu viel
Spielraum. Dadurch reibt Knochen auf Knorpel – und das führt auf Dauer zu Entzündungen und
Arthrose.
Wie Muskeln helfen:
Eine kräftige Gesäß- und Oberschenkelmuskulatur
fungiert wie ein stützendes, lebendiges Band. Sie zieht den Oberschenkelkopf fest in die Pfanne und hält das
Gelenk in der richtigen Bahn. Wo Muskeln die Führung übernehmen, reibt der Knorpel viel weniger ab – dein Hund
bleibt auch in der zweiten Lebenshälfte dynamisch und freudig auf den Beinen.
2. Das
schwere Gewicht auf der Vorhand (Ellbogendysplasie / ED)
Typisch für: Retriever,
Deutscher
Schäferhund, Neufundländer, Berner Sennenhund, Cane Corso

Was da los
ist:
Rund 60 Prozent seines Körpergewichts trägt ein Hund auf den Vorderläufen. Passt das
Ellbogengelenk anatomisch nicht millimetergenau zusammen, wird der Knorpel bei jedem Sprung und jeder Landung
extrem gequetscht.
Wie Muskeln helfen:
Hier ist eine starke Schulter- und
Brustmuskulatur Gold wert. Sie funktioniert wie ein Stoßdämpfer beim Auto: Jeder harte Schritt und jedes
Abbremsen aus vollem Lauf wird erst einmal muskulär abgefedert, bevor die Kraft überhaupt am Ellbogen ankommen
kann.
3. Das Knie mit Schlupf
(Patellaluxation)
Typisch für: Französische Bulldogge,
Mops, Chihuahua, Zwergpudel, Yorkshire Terrier, Jack Russell

Was da los
ist:
Wenn die Führungsrinne im Oberschenkelknochen zu flach ist, hüpft die Kniescheibe gerne mal
aus ihrer Bahn. Viele kleine Hunde laufen dann plötzlich für ein paar Schritte auf drei Beinen, bis die Sehne
wieder zurückspringt.
Wie Muskeln helfen:
Mit gezieltem Training des vorderen
Oberschenkelstreckers (dem Quadrizeps) bringen wir gleichmäßige Spannung auf die Sehne. Der Muskel zentriert
die Kniescheibe wie auf Schienen und sorgt dafür, dass sie genau dort bleibt, wo sie hingehört – selbst wenn
die Rinne von Natur aus etwas flach geraten ist.
4. Der
lange Rücken (Bandscheibenvorfälle
/ „Dackellähme“)
Typisch für: Dackel, Corgi, Basset Hound, Französische Bulldogge,
Cocker
Spaniel

Was da los
ist:
Langer Rücken, kurze Beine – aus Sicht der
Hebelgesetze ist dieser Körperbau eine echte Herausforderung. Jede Erschütterung und jede Biegung übt enorme
Scherkräfte auf die elastischen Bandscheiben aus.
Wie Muskeln helfen:
Das beste
Schutzschild für die Wirbelsäule ist ein starkes Core-Muskelkorsett. Wenn tiefe Bauchmuskeln, Rückenstrecker
und Hüftbeuger gut trainiert sind, stützen sie den langen Rücken von allen Seiten wie eine natürliche Schiene.
Das nimmt den Druck von den Bandscheiben und beugt schmerzhaften Quetschungen vor.
5. Das
strapazierte Knieband (Kreuzbandriss)
Typisch für: Boxer, Rottweiler, Labrador,
American
Staffordshire Terrier, Cane Corso

Was da los ist:
Anders als bei uns
Menschen reißt das Kreuzband beim Hund selten durch einen plötzlichen Sportunfall, sondern meistens
schleichend: Durch eine steile Beinstellung und ständige Überlastung fasert das Band über Monate hinweg
unbemerkt aus, bis es beim kleinsten Schritt reißt.
Wie Muskeln helfen:
Eine gut
trainierte Hinterhand – insbesondere die Oberschenkelrückseite und die Wadenmuskeln – bremst die Schubkräfte
des Schienbeins aktiv ab. Die Muskeln fangen die Last bei abrupten Stopps auf, sodass das Kreuzband gar nicht
erst unter Dauerzug gerät.
Was bedeutet das für Dich als
Hundehalter?
Es bedeutet lediglich: Sein Knochengerüst freut sich über etwas Schützenhilfe von außen.
Je früher wir mit sanften, spielerischen Balance- und Koordinationsübungen anfangen, desto stabiler und sorgenfreier geht dein Vierbeiner durchs Leben. Und das Beste daran: Für deinen Hund fühlt sich das Ganze nicht wie Medizin an, sondern wie eine spannende Schnüffel- und Denkaufgabe mit ganz vielen Leckerlis und gemeinsamer Quality-Time.
Neugierig, wo dein Hund körperlich steht?
Egal ob quirliger Junghund mit Veranlagung oder treuer Begleiter, der schon die ersten steifen Schritte zeigt: Lass uns gemeinsam einen geschulten Blick auf sein Gangbild werfen. Wir finden heraus, welche Muskelgruppen deinem Liebling den Alltag spürbar leichter machen.
Benötigst Du gezielte Fitness- und Aufwärmroutinen für Deinen Hund?